Die Stadt ist für den Urbanisten Virilio ursprünglich definiert über
die Agora, das Forum, später den Kirchplatz. Hier gab es Akteure
und Zuschauer und eine Identität von Zeit und Raum.
Erst mit der Kinostadt, der Cinecitta löst sich diese Einheit von
Zeit und Ort auf. Es gibt hier zwar noch eine Agora, den dunklen
Raum des Kinos, aber keine Interaktionen mit den Akteuren.

"Das war der Beginn des Bruchs zwischen öffentlichem Raum und
öffentlichem Bild, und es ist evident, daß man mit der Telecitta,
der Stadt der Telekommunikation, in einer noch viel abstrakteren
Welt ist, die auch immateriell ist, um es wie gebräuchlich auszudrücken.
Die neue Stadt ist also im Bild selbst; die neue Urbanisation
ist in den Plänen, in der Montage, den Programmen und ihrer
Ausstrahlung. Eine Megapole televisuellen Charakters, der die
neue Form der Stadt ist.( ... ) Es gibt also rund um die Welt eine Art
gleichzeitigen Zusammenseins, wenn das öffentliche Bild den öffentlichen Raum verdrängt."

Denn die sogenannte Telecitta versammelt Menschen nicht
mehr an einem Ort, sondern in einer Zeit, der Zeit der Sendung.
Die teleoptische Meta-Stadt organisiert sich um ein
"Fenster", durch das die ganze Welt zu sehen ist, allerdings
ohne jede räumliche Tiefe.

Daniela Kloock, Angela Spahr, Medientheorien - Eine Einführung
3., aktualisierte Auflage, Paderborn 2007, S. 153;
Zitat Paul Virilios: Aktuelles Denken. In: Kunstforum International,
Bd. 108: 89-94, S. 90, 1990

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